Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum

19.11.2020

Die Woche begann mit einem katastrophalen Montag, meine Laune war im Keller. Dienstag herrschte absolutes Bahnchaos, aber ich war immerhin im Büro mit lieben Kolleg*innen, Mittwoch war ein leichter Aufwärtstrend zu erkennen, vor allem, weil am Nachmittag die Sonne herauskam und ich nach Feierabend einen einen langen Spaziergang gemacht habe, aber den heutigen Donnerstag fand ich erneut katastrophal.

Ich möchte nicht permanent genervt und leicht reizbar sein, noch viel weniger mag ich das Gefühl der Überforderung. Ich rede mir selbst immer vor, dass ich gar keinen Grund habe, so zu fühlen, bis mir einfällt, dass auch ich mittlerweile seit acht Monaten durch diese Pandemie gehe. Nicht nur die anderen, die es in meinen Augen viel schwerer haben, weil sie ihre Arbeit verloren haben, in Kurzarbeit sind oder nebenbei noch die ganze Kinderbetreuung und/oder Homeschooling regeln müssen.

Ich mag schon gar nicht mehr erzählen, dass ich im Homeoffice arbeite (erst seit Kurzem, seit Beginn der Pandemie ist Präsenz angesagt), man scheint es mir allgemein zu neiden, besonders, wenn man selbst es nicht kann oder aus irgendwelchen Gründen nicht darf.

Allerdings bin ich froh, dass ich mich den Pimmelnasen in den vollen Zügen nicht mehr jeden Tag aussetzen muss. Auch dadurch trage ich einen Teil dazu bei, dass diejenigen, die nicht zu Hause arbeiten können und auf die Öffies angewiesen sind, weniger Kontakt haben müssen, aber es ist eben leichter, nur bis zu seinem eigenen Horizont zu schauen.

Ansonsten passiert nicht viel. Arbeiten, schlafen, spazieren gehen. Ich vermisse Perspektiven. Ich vermisse es, planen zu können, ebenso vermisse ich es, spontan zu sein. Außerdem habe ich Fernweh.

Plans and reality

Mein Plan geht nur teilweise auf. Das mit dem Yoga vor der Arbeit hat zwei Tage funktioniert, an den anderen Tagen war ich so müde, dass ich lieber noch etwas liegengeblieben bin.

Wie jedes Jahr in der dunklen Jahreszeit habe ich das Problem, dass ich abends todmüde wegratze, aber morgens regelmäßig zwischen 3 und 4 Uhr aufwache, weil ich ein Geräusch höre und danach nicht wieder einschlafen kann. Mein Gehirn springt dann an, wie ein Radio, meistens geistert mir sogar tatsächlich irgendein Lied durch den Kopf und so sehr ich auch versuche, nicht daran zu denken, wieder einschlafen zu wollen, sondern mich auf den Atem zu konzentrieren – es gelingt nicht.

Das mit den Spazierpausen haut, hingegen, sehr gut hin und tut vor allem auch gut.

Heute hatte ich einen kleinen Eingriff am Fuß (ein schwarzer Leberfleck wurde rausgeschnitten) und arbeite gar nicht. Ich hatte mir vorgenommen, den Fuß hochzulegen und den Tag lesend zu verbringen und nun ist es schon 12 Uhr durch und ich hab wieder fast nur am Handy gedaddelt. Schlimm.

Aktuelles Suchtlied:

Gedankengedöns

Müde bin ich.

In den letzten Tage habe ich, bis auf das tägliche Yoga, meine Gewohnheiten etwas schleifen lassen. Das Lesen, zum Beispiel, was aber auch daran liegen könnte, dass T. C. Boyle und ich einfach keine Freunde werden (ich hatte mit “Wassermusik” begonnen, es jetzt aber nach 150 Seiten einfach gelassen).

Die Abende, an denen ich weiß, dass ich am kommenden Tag im Homeoffice bin, sind entspannt, bzw. ICH bin entspannt. Wenn ich weiß, dass ich los muss, sind die Nächte unruhig. Schon komisch, was die Pandemie auf Dauer mit einem macht. Ich war sonst nie empfindlich, aber die steigenden Zahlen und die auftauchenden Risikobegegnungen in der Warn-App verunsichern offenbar mehr, als ich dachte.

Da mein Fuß wegen meiner eigenen Ungeduld immer noch schmerzt, werde ich auch erstmal nicht mehr joggen gehen (können), was mich auch nervt. Oft denke ich: Sei doch nicht so genervt, es ist alles ist gut, bis auf diese kleine Pandemie, aber andererseits, meine Fresse, lass mich doch genervt sein, es ist herrscht eben nicht jeden Tag eitel Sonnenschein.